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„Sport bietet Gelegenheit zur Öffnung für vielfältige Lebensentwürfe“

44. Konferenz der Sportministerinnen und -minister (SMK) beschließt „Bremer Erklärung“ zum Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Sport

Weitere Themen: Prävention sexueller Gewalt / Haltung zu Rassismus Finanzielle Förderung der Dopingprävention / Forderung nach mehr Geld vom Bund für Baumaßnahmen im Bereich des Spitzensports / Unterstützung der Vereine in der Corona-Krise

Die Sportministerinnen und Sportminister der Länder haben auf ihrer Jahrestagung am heutigen Donnerstagnachmittag (12. November 2020) in einer Online-Konferenz Beschlüsse mit weitreichenden Empfehlungen zum Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Sport, zur Prävention sexueller Gewalt und gegen Rassismus im Sport gefasst. Außerdem fordern sie mehr Geld vom Bund für die Förderung des Spitzensports und wollen sich gemeinsam für eine bessere finanzielle Ausstattung der Dopingprävention in den Ländern einsetzen. Bereits am frühen Nachmittag hatten sie – wie bereits vorab gemeldet – den Bund gebeten, Sportvereinen und Selbstständigen im Sport einen unbürokratischen Zugang zu den außerordentlichen Wirtschaftshilfen zu ermöglichen, die der Bund im November vorgelegt hat, um Unternehmen, Betriebe, Selbständige, Vereine und Einrichtungen zu unterstützen, die von Corona-Einschränkungen besonders betroffen sind.

"Bremer Erklärung"

Mit einer Reihe an Anregungen und Empfehlungen wendet sich die SMK mit der "Bremer Erklärung" an Vereine und Verbände, die Vielfalt an geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen anzuerkennen. Dazu gehört unter anderem,

  • Satzungen, Verhaltenskodizes oder Richtlinien in Vereinen und Verbänden so zu fassen, dass sie den wertschätzenden und diskriminierungsfreien Umgang in ihren Strukturen fördern
  • Antidiskriminierungsregeln zu fordern und zu fördern, eine "Kultur des Hinsehens“ und konsequentes Einschreiten bei Diskriminierungen im Bereich sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität
  • Antidiskriminierungsinhalte zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in den Aus- und Fortbildungsangeboten als Teil eines Gesamtkonzepts zur Förderung von Vielfalt im Sport zu verankern
  • eine offene Haltung einzunehmen, um Menschen jeglicher sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität den Weg in die Einrichtungen, Vereine und Verbände zu erleichtern und Ausgrenzung vorzubeugen
  • das Recht auf Teilhabe aller Menschen eindeutig benennen
  • bei Bedarf diversitätssensible und spezifische Angebote zu schaffen um lesbischen, schwulen, bi- und trans- und intersexuellen sowie nicht-binären Sporttreibenden die Teilnahme am Training und an Wettkämpfen sowohl im Breiten- wie im Leistungssport zu ermöglichen sowie mehr Strukturen und Ansprechpersonen für sie in regionalen Sportbünden und den Sportfachverbänden zu etablieren.

"Der Sport mit seinen vielfältigen Begegnungen bietet generell Gelegenheit zum Überwinden von Vorurteilen und damit zur Öffnung für vielfältige Lebensentwürfe", teilte die amtierende SMK-Vorsitzende Anja Stahmann mit, Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport in Bremen, wo die SMK nach den ursprünglichen Planungen tagen sollte. "Bereits jetzt gibt es viele Aktivitäten des organisierten Sports gegen Homo-, Trans- und Interfeindlichkeit." "Die bestehenden Aktivitäten und Positionierungen des organisierten Sports gegen Ausgrenzung und für sexuelle Vielfalt im Sport begrüßen wir daher auch ausdrücklich." Die Bremer Erklärung solle das Bewusstsein schärfen und konkrete Vorschläge für Vereine und Verbände machen, "wie sich diese Grundhaltung in der Praxis weiter fördern und sichtbar werden lässt".

Prävention von sexualisierter Gewalt im Sport

Die SMK fordert den organisierten Sport auf, Maßnahmen zu ergreifen, um sexueller Gewalt und Machtmissbrauch angemessen entgegenzuwirken. Die Institutionen des organisierten Sports sollten dazu verbindliche Schritte zur Prävention von sexualisierter Gewalt im Sport angehen und ein Netz von qualifizierten Ansprechpersonen für Betroffene und ihre Angehörigen knüpfen, an die Betroffene sich bei Bedarf vertrauensvoll wenden können. Nötig seien überdies klare Regeln, wie mit Übergriffen, Grenzverletzungen und Straftaten umgegangen werden müsse, sagte Roger Lewentz, Minister des Innern und für Sport in Rheinland-Pfalz, der die dezentral organisierte Online-Konferenz in Vertretung für die SMK-Vorsitzende Anja Stahmann geleitet hat, die aus gesundheitliche Gründen nicht an der Konferenz teilnehmen konnte. Das Wissen über sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen solle als Pflichtbestandteil der Ausbildung und in der Fortbildung von Trainerinnen und Trainern sowie Übungsleiterinnen und Übungsleitern festgelegt werden.

Bei ihren Beschlüssen hat sich die SMK unter anderem gestützt auf die Expertise von Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, sowie Sabine Andresen, Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs im Bund.

Mit dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt hat sich die Sportministerkonferenz in der Vergangenheit wiederholt befasst, zuletzt im Jahr 2017. Bestehende Grundlagen sind die "Münchner Erklärung" des Deutschen Olympischen Sportbundes und deren Konkretisierung im Stufenmodell der Deutschen Sportjugend.

Gleichzeitig stehe aber die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche noch am Anfang, so Minister Lewentz. In den vertraulichen Anhörungen und Berichten an die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hätten über 1.600 Betroffene ihre Geschichte erzählt und ihre Botschaften an Politik und Gesellschaft formuliert, davon fast 100 Betroffene aus dem Kontext Sport.

Die SMK begrüßt die Aktivitäten des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat, das seit Ende 2018 von Zuwendungsempfängern eine verbindliche Eigenerklärung zur Prävention und Bekämpfung sexualisierter Gewalt erwartet. Alle Verbände haben diese Eigenerklärung abgegeben, die finanzielle Förderung des Spitzensports durch das BMI stehe damit durchgängig unter der Voraussetzung, dass geeignete Maßnahmen gegen alle Formen von sexueller Gewalt ergriffen werden, fasste Minister Lewentz den Sachstand zusammen.

Haltung gegen Rassismus

Die SMK verurteilt jedwede Form von Rassismus im Sport und stellt sich an die Seite der Athletinnen und Athleten sowie der Verbände beim Kampf gegen Rassismus im Sport. Sie ermuntert die Verbände, dies im Dialog mit den Athletinnen und Athleten zu tun. Wörtlich heißt es in dem Beschluss: "Die SMK begrüßt alle Initiativen aus dem Bereich des Sports, die sich gegen Rassismus einsetzen."

Stärkung der Dopingprävention in den Ländern

Die SMK will zudem die Dopingprävention in den Ländern langfristig ausbauen und "den Schwerpunkt auf präventive Maßnahmen legen, um insbesondere Nachwuchsleistungssportlerinnen und Nachwuchsleistungssportler besser
und nachhaltig zu schützen". Die Sportministerinnen und -minister der Länder verständigten sich daher auf die gemeinsame Absicht, ab dem Jahr 2022 höhere Finanzmittel für die Dopingprävention in den Sporthaushalten anzustreben, um die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) entsprechend auszustatten.

Entwicklung einer nationalen Strategie zur Weiterentwicklung des Sportveranstaltungsstandortes und Spitzensportförderung

Internationale Sportveranstaltungen sind nach Auffassung der Sportministerinnen und minister von großer Bedeutung "für die gesamtstaatliche Repräsentation“. Vor diesem Hintergrund unterstützt die SMK die Bereitschaft des Bundes, in den kommenden Jahren eine Reihe großer Sportveranstaltungen mit erheblichen finanziellen Mitteln maßgeblich zu unterstützen. In diesen Rahmen der "Nationalen Strategie Sportgroßveranstaltungen" gehören die European Championships 2022 in München, die Special Olympics World Games 2023 in Berlin und die geplanten World University Games Rhein Ruhr 2025. Die SMK unterstreicht, dass es "einer adäquaten Finanzierungsbeteiligung und weiterer Unterstützungsleistungen" auch bei weiteren Sportgroßveranstaltungen bedürfe, um den Anspruch auf eine repräsentative gesamtstaatliche Außendarstellung einzulösen.

Für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des Sportveranstaltungsstandortes Deutschland bedürfe es darüber hinaus "einer bestmöglichen Unterstützung durch alle an der Umsetzung der Strategie mitwirkenden Gebietskörperschaften und Institutionen des organisierten Sports". Vor diesem Hintergrund erklären die Länder ihre Bereitschaft, "weiterhin nach besten Kräften an der Ausrichtung von Sportgroßveranstaltungen mitzuwirken und den angestoßenen Strategieprozess auch zukünftig tatkräftig zu unterstützen".

Darüber hinaus fordern die Länder den Bund auf, die Mittel im Bereich Baumaßnahmen für den Spitzensport zu erhöhen.

Alle Beschlüsse der 44. SMK im Wortlaut finden Sie hier. (pdf, 1 MB)

Ansprechpartner für Medienanfragen
Dr. Bernd Schneider
Pressestelle der Senatorin für
Soziales, Jugend, Integration und Sport
bernd.schneider@soziales.bremen.de

Ansprechpartner für Interview-Wünsche mit dem Leiter der Sitzung, Minister Roger Lewentz
Joachim Winkler
Leiter Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Ministerium des Innern und für Sport
Rheinland-Pfalz
Telefon +49 (6131) 16-3460
Joachim.Winkler@mdi.rlp.de